Ehrliche Worte zu Lossless

Apple Music-Chef äußert sich zu verlustfreiem Audio: „Die meisten Leute hören den Unterschied nicht"

Apple Music-Chef Oliver Schusser spricht offen über verlustfreies Audio – und sagt dabei genau das, was viele schon lange denken.

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Quickread: Auf einen Blick
  • Apple Music-Chef Oliver Schusser räumt ein, dass die meisten Menschen den Unterschied zwischen verlustfreiem und komprimiertem Audio nicht hören können.
  • Apple bietet seit 2021 verlustfreies Audio ohne Aufpreis an, während Spotify erst 2025 nachzog und zunächst einen Aufpreis erwog.
  • Verlustfreies Audio lohnt sich hauptsächlich bei kabelgebundenen Kopfhörern und hochwertigen Lautsprechern, nicht über Bluetooth.

Oliver Schusser, Vice President bei Apple und verantwortlich für Apple Music, hat in einem aktuellen Interview mit Billboard eine bemerkenswerte Aussage zum Thema verlustfreies Audio getroffen – und dabei ausgesprochen, was viele Nutzende längst denken. Seine Einschätzung: Die meisten Menschen können den Unterschied zwischen verlustfreiem und komprimiertem Audio schlichtweg nicht hören.

Die Realität hinter verlustfreiem Audio

Während verlustfreies Audio technisch gesehen die höchste verfügbare Klangqualität bietet, räumt Schusser ein, dass der praktische Nutzen für die allermeisten Hörenden begrenzt ist. Besonders deutlich wird dies bei der Art und Weise, wie Musik heute konsumiert wird: über Bluetooth-Kopfhörer, kabellose Lautsprecher oder direkt über die Smartphone-Lautsprecher. In all diesen Szenarien geht die theoretische Überlegenheit verlustfreier Audioformate verloren.

Apple hatte im Jahr 2021 sein gesamtes Apple Music-Angebot auf verlustfreies Audio umgestellt – und das ohne Aufpreis für die Abonnierenden. Die Bibliothek unterstützt Audio bis zu 24 Bit bei 192 Kilohertz. Im Gegensatz dazu ließ Konkurrent Spotify seine Nutzenden jahrelang auf ein entsprechendes Angebot warten.

Spotify hinkt bei verlustfreiem Streaming hinterher

Lossless Audio erklärt!

Lossless Audio, zu Deutsch verlustfreies Audio, bezeichnet Audioformate, die alle Daten der Originalaufnahme ohne Qualitätsverlust speichern. Im Gegensatz zu komprimierten Formaten wie MP3 oder AAC werden keine Frequenzen entfernt, um Speicherplatz zu sparen. Die Dateien sind dadurch deutlich größer, bieten aber theoretisch die bestmögliche Klangqualität – vorausgesetzt, die Abspielgeräte und das menschliche Gehör können den Unterschied überhaupt wahrnehmen.

Erst im September 2025, mehr als vier Jahre nach der ursprünglichen Ankündigung, begann Spotify damit, verlustfreies Audio schrittweise auszurollen. Die Implementierung erfolgt dabei mit 24-Bit-Dateien bei 44,1 Kilohertz im FLAC-Format – technisch gesehen unterhalb dessen, was Apple Music, Tidal oder Qobuz anbieten. Während Apple und Amazon verlustfreies Audio ohne Aufpreis in ihre Standard-Abonnements integrierten, hatte Spotify zunächst erwogen, bis zu 5,99 US-Dollar pro Monat zusätzlich zu verlangen.

Die verzögerte Einführung bei Spotify zeigt, dass selbst große Streaming-Anbieter die wirtschaftliche Relevanz verlustfreier Audioqualität unterschiedlich bewerten. Für die meisten Nutzenden scheint die Priorität eher bei Komfort, Verfügbarkeit und Preis zu liegen als bei maximaler Audioqualität.

Wann lohnt sich verlustfreies Audio wirklich?

Schussers Aussage bedeutet nicht, dass verlustfreies Audio grundsätzlich sinnlos ist. Es gibt durchaus Szenarien, in denen der Unterschied hörbar wird: beim Musikhören über hochwertige kabelgebundene Kopfhörer am Schreibtisch, über qualitativ hochwertige Lautsprecher mit Spotify Connect-Unterstützung oder bei professioneller Musikproduktion.

Apple hat diese Zielgruppe im Blick behalten und im März 2025 die AirPods Max mit USB-C-Anschluss mit Unterstützung für verlustfreies Audio ausgestattet. Die Over-Ear-Kopfhörer unterstützen 24-Bit-Audio bei 48 Kilohertz sowie extrem niedrige Latenzzeiten, was sie besonders für Musikschaffende interessant macht. Allerdings funktioniert verlustfreies Audio nur über eine kabelgebundene USB-C-Verbindung zu einem iPhone, iPad oder Mac – nicht über Bluetooth.

Apples Philosophie: Musik als Kunst

In früheren Interviews hatte Schusser bereits deutlich gemacht, wie Apple über Musik denkt. Bei einem Gespräch mit der National Music Publishers’ Association bezeichnete er es als „verrückt“, dass Musik auch 20 Jahre nach Beginn des Streaming-Zeitalters noch kostenlos angeboten wird – eine deutliche Kritik an Spotifys werbeunterstütztem Gratismodell. „Als Unternehmen betrachten wir Musik als Kunst, und wir würden niemals Kunst kostenlos verschenken wollen“, so Schusser.

Diese Haltung spiegelt sich auch in Apples Ansatz beim verlustfreien Audio wider: Das Unternehmen bietet die höchstmögliche Qualität ohne Aufpreis an, erkennt aber gleichzeitig realistisch an, dass die meisten Nutzenden davon kaum profitieren werden. Es geht weniger um das tatsächliche Hörerlebnis als vielmehr um das Signal, dass Musik bei Apple einen hohen Stellenwert genießt.

Die Zukunft von Apple Music

Apple arbeitet laut Berichten an einer umfassenden Überarbeitung von Apple Music mit Fokus auf künstliche Intelligenz. Konkrete Details oder ein Veröffentlichungstermin sind noch nicht bekannt. Die Neuausrichtung könnte Funktionen wie KI-generierte Playlists oder einen „KI-DJ“ nach dem Vorbild von Spotify beinhalten.

Parallel dazu entwickelt Apple kontinuierlich neue Features für die Musikplattform. So wird für iOS 26 Unterstützung für animierte Albumcover im Vollbildmodus auf dem Sperrbildschirm erwartet. Auch die AutoMix-Funktion, die nahtlose Übergänge zwischen Songs ermöglicht, findet bei Nutzenden zunehmend Anklang.